27 Jul

Die Leiden der Frau L.

Es ist wirklich zum heulen. Montag bekam ich urplötzlich fieses Zahnweh oben links. Allerdings konnte ich nicht lokalisieren, welcher Zahn denn da nun genau für verantwortlich war. Also erst mal Termin für den nächsten Tag beim Zahnarzt gemacht. Am Abend dann leichter Druckschmerz links neben der Nase. Ok, dachte ich, das könnten auch die die Nebenhöhlen sein. Also habe ich inhaliert, immerhin kennt sich Frau aus, denn das selbe Spiel hatte sie vor ein paar Jahren schonmal. Damals bin ich allerdings die glatten Wände hoch, weil nichts gegen die Schmerzen half. Selbst die hoch dosierten Ibuprofen (1000er), haben nichts gebracht. Damals hatte sich der Schmerz allerdings in Gaumen und Kiefer festgesetzt. Ich habe einige Zahnärzte damals aufgesucht und keiner konnte was finden. Erst als ich beim HNO war, wurde die Kieferhöhlenentzündung diagnostiziert.

Also wollte ich dem ganzen zuvor kommen und inhalierte brav. Am nächsten Tag sollte es ja dann besser werden. Immerhin hatte ich ja auch vor kurzem eine kleine Erkältung mit Schnupfen. Also musste es ja was mit den Nebenhöhlen sein. Am nächsten Tag allerdings traf mich fast der Schlag als ich in den Spiegel sah. Mein Gesicht war angeschwollen. Zwar nicht extrem, aber immerhin sichtbar. Also musste ich mit stärkeren Maßnahmen aufwarten. Ich ging zur Apotheke und besorgte mir eine Nasendusche und Nasenspray. Die Nasendusche war schon sehr… nunja… sagen wir mal „gewöhnungsbedürftig“. Inhaliert habe ich dann an diesem Tag mehrfach mit Kamille, weil mir das die Apothekerin riet und immer schön das Still-freundliche Nasenspray die Nase hoch gejagt. Und zu guter letzt noch schön mit Rotlicht bestrahlt… Doch leider quoll dadurch mein Gesicht erst richtig auf. Ich hatte eine Schwellung… ich kann es gar nicht in Worte fassen. Ich sah aus wie eine Melone… nun gut, eine halbe Melone, weil rechts war ja alles in bester Ordnung. Ich konnte kaum noch sprechen und als ich dann am Mittwoch erwachte, war sogar mein linkes Auge halb zugeschwollen. An diesem Tag hatte ich auch einen Termin beim HNO (den Zahnarzttermin hatte ich, wohlwissend es sei eine Nebenhöhlenentzündung, abgesagt). Die HNO-Tante untersuchte mich eingehend und stellte fest: Meine Nebenhöhlen sind wunderbar frei! Es muss was mit dem Zahn sein!!!

Ich fiel aus allen Wolken und lief am nächsten Tag gleich früh morgens zum Zahnarzt. Ich war ja immerhin ein Notfall und kam Gott sei Dank auch gleich dran. Nach einer Röntgenaufnahme und einem „Oha!“ der Zahnarzthelferin, welches ich als kein gutes Zeichen deutete, kam der Arzt hinzu und setzte mir 2 Betäubungs-Spritzen. Er fing sofort mit den Behandlung an und schnitt mir das Zahnfleisch auf. Da muss wohl einiges an Eiter heraus gelaufen sein, denn ich wurde zwar seeehr blass und verlor fast das Bewusstsein, aber ich konnte den Arzt noch hören und das reichte vollkommen. Es war also eine vereiterte Zahnwurzel und die hatte in die Wange, den Kiefer und bis hoch zum Auge und runter ins Kinn geeitert. Dass das so schnell gehen würde, hätte ich ja nicht gedacht. Aber gut, ich hatte ja auch mein bestmöglichstes getan um es den Bakterien richtig gemütlich zu machen, mit meiner Wärme, Rotlicht usw.

Der Arzt gab mir Antibiotika und riet mir sofort abzustillen. Da war der ganze Schmerz vergessen, denn das tat jetzt wo anders weh. Ich wollte nicht von jetzt auf gleich aufhören zu stillen. Also trabte ich traurig nach Hause und stillte meinen Krümel ein letztes Mal. Dabei vergoß ich schwere Tränen. Das war nicht fair. Nur durch meine Dummheit sollte mein Krümel nun leiden. Also machte ich ihm zu seiner nächsten Mahlzeit eine Flasche fertig. Die trank er zwar, aber suchte immer wieder meine Brust. Ich rief in meiner Verzweiflung meine Hebamme an, die allerdings nicht zu erreichen war. Also musste ich doch nochmal die Stillberatung zu Rate ziehen. Und dort riet mir die nette Dame am Telefon doch tatsächlich vom plötzlichen Abstillen ab. Das könnte bei Krümelchen zu einem Trauma und bei mir zu Depressionen führen. Außerdem seien die Nebenwirkungen von Antibiotika meist nur dünner Stuhl und nicht aufzuwiegen mit dem Trauma, was das Kind durch den plötzlichen Entzug der Brust zu bewältigen hätte. Ich atmete auf. Auch im Web fand ich viele Studien darüber, dass gerade mal 10% der gestillten Kinder auf die Nebenwirkungen (Durchfall) von Antibiotika in der Muttermilch reagieren. Und eben auch vieles über die Reaktionen der Kinder auf apruptes Abstillen. Also legte ich Krümelchen an und weinte wieder… dieses Mal allerdings vor Freude, dass ich noch ein wenig weiter sein Ruhepool sein darf… seine kleine Insel auf der nur er und ich existieren und auf der er Geborgenheit und Liebe erfährt.

Meinem Zahn gehts übrigens etwas besser. Morgen muss ich nochmal zum Notdienst, aber ich spüre dass da immer noch Eiter drin sitzt. Essen kann ich jedenfalls nur seeehr langsam und seeeehr wenig. Aber ok. Meine Waage freut sich darüber 😉 und ich auch… ein bisschen.

6 Gedanken zu „Die Leiden der Frau L.

  1. Ohje… Trotz 28 Grad in meinem Wohnzimmer bekam ich grad ne Gänsehaut, als ich das gelesen habe. Immer wieder frage ich mich, warum so viele Ärzte so absolut „stillunfreundlich“ sind. Es erschüttert mich immer wieder, zumal es ja oft einen anderen Weg gibt, als Abstillen. Ich glaube, ich wäre auch völlig verzweifelt gewesen, hätte man mich plötzlich zum Abstillen gezwungen. Gut, dass du bei der Stillberatung angerufen hast!! Weiterhin gute Besserung!

    • Ja so geht es mir auch. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Ärzte sich in die Richtung wirklich besser weiterbilden sollten.
      Da muss man die Entscheidung selbst treffen, obwohl man sich eigentlich auf den Arzt verlassen sollte.

      Und danke 😉

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