08 Feb

Sprachprobleme

Eins vorweg: Ich vergleiche mein Kind nicht mit anderen Kindern in seinem Alter.
Es fing damit an, dass ich, wie so oft, in der Kita nachgefragt hatte, wie sich mein Krümelchen macht. Ab und zu bekam ich dann Feedback zu seinem Gemütszustand. Doch vor einigen Monaten meinte dann die Erzieherin, dass sie sich aufgrund seiner sprachlichen Defizite Sorgen macht. Das war neu! Ich hatte zwar das Gefühl, dass er zwar wenig spricht, es sich aber kontinuierlich weiterentwicklt. Die Erzieherin schlug also vor, dass eine Grundschullehrerin, die freiberuflich in Kindergärten nach der Sprache der Kinder schaut, sich meinen Krümel mal anschaut. Ich besprach das mit Papa Krümel und wir entschieden uns dafür. Immerhin wollten wir beide nur das Beste für ihn.

Einige Monate lang wurde unser Kind also nun von dieser Lehrerin beobachtet und auch, wie wir später erfuhren, aus der Gruppe genommen um sich mit ihm in einem extra Raum zu beschäftigen. Dann wurden wir letzte Woche zu einem Gespräch gebeten. Sie meinte, dass unser Krümel immer noch in der dritten Form von sich spricht und einige Worte noch falsch ausspricht (Flieger – Gieger, Trinken – dinka, usw.). Außerdem hätte sie das Gefühl, dass er schlecht hört oder die Worte vom Ohr nicht im Gehirn ankommen. Farben könnte er auch nicht und Puzzlen auch nicht, weshalb sie von einer Sehschwäche ausgingen. Und neue Situationen würden ihn völlig aus der Bahn werfen (wundert mich nicht; immerhin ist er noch nicht mal drei).

Mein Mann reagierte leicht gereizt bei dem Gespräch, aber ich machte mir Sorgen. Uns wurde vorgeschlagen in einem Sozialpädiatrischen Zentrum seine Sinne überprüfen zu lassen. Wir entgegneten, dass wir in 2 Tagen erst einmal einen Termin beim HNO mit ihm haben und diesen Termin erst einmal abwarten wollten. Den Termin hatten wir schon länger gemacht, da wir bemerkten, dass sein Mund immer offen steht.

Deprimiert (ich) und ein wenig wütend (Papa Krümel) gingen wir nach Hause. Ich zweifelte an mir selbst. Hatte ich genug mit ihm gesprochen, ihn genug gefördert? Was könnte ich noch tun, um ihm zu helfen? Was ist, wenn er wirklich Probleme beim Verarbeiten der Worte hatte? Wenn die Leitung zwischen Ohr und Gehirn wirklich gestört war? In meinem Kopf drehten sich die Fragen und Anschuldigungen um sich selbst…

2 Tage später erhielten wir dann nach dem Besuch beim HNO die Diagnose „Paukenerguss und Polypen“ und einen Termin zur OP im April. Das zog mir erst einmal den Boden unter den Füßen weg. Ich brach weinend zusammen. Mein Baby wird operiert. Er ist doch noch so klein! Sowas sollte ein Kind nicht mitmachen müssen!
Mein Mann war mit Krümel beim HNO gewesen. Der Arzt hat wohl sehr viel Schmalz aus seinen Ohren geholt und gesagt, dass er auf einer Seite fast gar nichts mehr gehörz haben muss. Diese Überproduktion des Ohrenschmalzes hat er wohl von mir geerbt. Ich habe damit auch schon immer zu kämpfen. Auch wegen meines kleinen Gehörgangs gestaltet sich das immer recht schwierig.

Seit dem Besuch geht es allerdings bergauf. Wir haben alle das Gefühl, dass der Krümel ein wenig fröhlicher und offener geworden ist. Er singt viel und sein Wortschatz wächst merklich. Nicht auszudenken, was nach der OP passiert. Sicherlich wird sich dann seine Sprache verbessern. Und um die restlichen Dinge kümmern wir uns dann danach. Ich habe es mir nämlich nicht nehmen lassen und jetzt auch 2 Puzzle für ihn gekauft. Und ich kann es nicht nachvollziehen, dass die Erzieher meinen, er sehe schlecht. Er kann das Puzzleteil super einpassen und auch sonst sieht er teils Dinge die ich nicht mal wahrnehme. Kleinste Teilchen werden von ihm vom Boden aufgelesen und mir präsentiert. Und wir üben nun fleissig Farben, damit das auch bald nicht mehr zur Diskussion steht.

Schade ist nur, dass heutzutage ein Kind in eine Schablone passen muss. Es muss zu diesem und diesem Alter dies und das können, ansonsten ist es zurückgeblieben. Dass mein Sohn aber ab und zu einfach keinen Bock hat, Männchen zu machen und sich dann einfach weigert, daran denkt keiner. Er ist motorisch so fit und fährt in seinem jungen Alter sogar schon super Roller. Wenn es etwas zu werkeln gibt, ist er ganz vorn mit dabei. Natürlich war es gut, dass wir nun erfahren haben, wo Defizite sind, aber dennoch will ich nun nichts überstürzen und ihn von einem Arzt zum Nächsten schleppen. Das ist für eine Kinderseele auch nicht gerade förderlich.

4 Gedanken zu „Sprachprobleme

  1. Heidernei….die Erzieherinnen. Du weißt ja mit unserem Lou gab es schon immer “Probleme“
    Haben die Hno-OP schon durch und mehrfach SPZ.
    Kannst mich auf FB gern mal anschreiben, wenn du Fragen hast.
    Euer Krümel (das was ich von videos kenne) spricht deutlich!!! besser als unserer.

    • Hi Nici,
      ich schreib dich gern mal an. Danke für das Angebot. Hoffe ja, dass sich durch die HNO-OP alles bessert.
      Liebe Grüße und bis bald auf FB
      Sandra 🙂

  2. Lass dich nicht verrückt machen … die Erzieher arbeiten nach Plan und die Ärzte nach Schema F … die haben kaum jemals genug Zeit sich auf ein Kind einzulassen, da kannst du jedes Mal nur hoffen, dass das Kind mitmacht, sonst wirst du direkt zu irgend einem Sozialdienst geschickt.
    Ich drücke euch die Daumen, dass im April alles gut läuft 🙂

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